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Neulich in Nalven...

geschrieben von Gregor 
avatar Neulich in Nalven...
10. December 2008 00:40
Der Fuß bricht durch die dünne Eisschicht auf der Pfütze, versinkt bis über den Knöchel im Schlamm. "Pass doch auf! Idiot!" gellt sein Ruf dem Kutscher hinter, der Marius nicht nur zu einem schnellen Sprung zur Seite gezwungen hat, sondern ihn auch noch von oben bis unten braun besprenkelt hat.

Grinsend betrachtet ihn Georg. Marius zieht scharf die Luft ein, wischt sich den Schlamm aus den Augen, und klopft an die Tür, neben der der Adler Achenars in den Stein gehauen ist.
Die Tür öffnet sich, und ein freundliches, rotbackiges Gesicht öffnet die Tür. "Marius, Dich hab ich ja seit Jahren nicht mehr gesehen!" "Kurt! Du lässt Dir's hier aber auch gut gehen!" entgegnet ihm Marius, bevor sich die Beiden kräftig die Hand schütteln und Ihre Schultern in einer Geste langjähriger Bekanntschaft aneinander ziehen. "Aber jetzt komm rein, wen hast Du denn da mitgebracht?" - "Das ist Georg, mein Schüler. den Haben wir jetzt seit nem halben Jahr im Orden, der macht sich ganz gut. War mal Wildhüter. Schauen wir mal, daß er uns erhalten bleibt."

Als das Licht, das durch die Fenster des Innenhofes in die Räume der Komturei fiel, vom flackernden Licht der Kerzen und des Kamins des Speise- und Aufenthaltsraumes überstrahlt wurde, beendeten Kurt und Marius langsam den Austausch über gemeinsame Bekannte und die Gerüchte, die durch den Orden Achenars wehten. "Jetzt sag schon, wie hast Du das wieder geschafft? Die Lyriels Ruf
für Euch beide? Jetzt mal ehrlich, worum geht's denn?" - "Kurt, die musste rein zufällig sowieso in die Südlande, die Kartografen sind doch dort unterwegs. Und da ist das doch nicht mal ein wirklicher Umweg." - " Genau. Und die mystische Auferstehung von Radubrands Wunderknaben, jetzt wo Roman sein neuer Weg endlich weggeführt hat, ist auch ein reiner Zufall, oder?" - "Kurt, jetzt wirds langsam zu viel, dein wievielter Becher ist das denn" - "Ja stimmt doch, Du reist mit dem Neffen des Herzogs in die spannenden Länder, und ich sitz hier und bewache einen Haufen Holz, Seile und Kram für Schiffe. Du hast die Freunde in aller Welt, und ich? Ich hab meine Listen." - "Kurt. Es reicht. Wir reden morgen weiter."

Marius stand auf, und machte sich auf in den Gebetsraum. Niedergekniet fuhr er sich mit beiden Händen über die Augen, die Ohren, den Mund und Nase. Er entzündete einen Streifen Papier, und sah zum wie er verbrannte. Er barg sein Gesicht in beide Hände, und versuchte sich zu entspannen. War es daß wie ihn seine Brüder sahen? Den Draufgänger? Den Günstling des Herzogs, nein, Radubrandts? Glaubten sie wirklich, er wäre beliebt da draußen? Sein Leben sei spannend?
Was wussten sie von der Einsamkeit der Entscheidungen, die man treffen musste, der Angst, einsam zu krepieren, weil sich die Andren einen Dreck um den scherten, dessen Glauben, dessen Aufgabe, dessen Überzeugung sie nicht verstanden? Wie sie einen dankbar anlächelten, wenn man ihnen beistand, um im nächsten Augenblick den Fremdling einfach außen vor zu lassen?
Er griff sich die Schale kalten Wassers, die vor ihm Stand, sprach die kurzen Worte des Gebetes, die ihn erinnern sollten, nicht zum Sklaven seiner Zweifel zu werden, benetzte seine Hände mit dem Wasser, wusch sich sein Gesicht damit ab.
Er stand auf, und stellte die Schale neben das Feuer, das im Kamin des Gebetsraumes brannte.
"So wie dies Wasser, in das ich meine Zweifel gewaschen habe, morgen vergangen sein wird, so nimm auch mir das, was mich hindert, getreulich deinen Weg zu gehen, Achenar." So sprach es, und verließ den Raum.

Es standen viele Schalen vor dem Feuer.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.12.08 00:45.
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