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Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung

geschrieben von Tine 
avatar Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
02. May 2007 01:48
Zehn Augenblicke später steht die kleine Gruppe am Lagerausgang und blickt mit gemischten Gefühlen hinüber zur Stadt. Schweigend und in grauen Dunst gehüllt ragt sie in einiger Entfernung vor den Männern und Frauen auf. Was sie wohl dort erwarten wird? "Nun denn! Auf geht's" Korporal Farren gibt den Befehl zum Abmarsch. Die Soldaten schultern ihre Ausrüstung und machen sich auf den Weg. Je näher sie den Stadtmauern kommen, desto übelkeiterregender wird der Gestank nach Krankheit und Tod. Der Rauch schwelender Brände kratzt in der Kehle und der Anblick der verkrümmten, von Aasfressern angenagten Leichen, die in immer größer werdenden Haufen am Weg liegen, je weiter sie sich dem Tor nähern, lässt nicht einmal die hargesottensten der Freiwilligengruppe kalt. Leere, glasige Augen in den Himmel gerichtet, im Todeskampf ertarrte Finger ins Gras gekrallt, der Boden aufgewühlt und schwer vom Blut der Gefallenen. Auf den Gesichtern der weiter voranschreitenden Soldaten zeigen sich die unterschiedlichsten Gefühle: Trauer, Zorn, Entsetzen, ungläubiges Starren, Angst. Das Tor der stadt, abweisend und rußgeschwärzt, ist nun fast erreicht. Noch immer ist alles still - totenstill. Außer den Schritten der Freiwilligen ist kein Geräusch zu hören; und sogar diese klingen durch den morgendlichen Bodennebel gedämpft. Schließlich steht das Zehnergrüppchen vor dem geborstenen Portal Kerarweds. Korporal Farren späht vorsichtig durch den Spalt zwischen den Torflügeln. "So, da wären wir!" Farrens Stimme klingt fest, doch sein Gesicht ist merkwürdig starr. "Wer möchte die ehrenhafte Aufgabe der Vorhut übernehmen? Euch möchte ich davon ausnehmen, Sistra Donata. Alerdings bitte ich Euch uns zu segnen, bevor wir den ersten Schritt in diese Gruft wagen." Er sinkt vor ihr auf die Knie.
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
02. May 2007 07:22
Die Sistra bleich wie der Morgennebel nimmt ein Behältnis aus ihrem Beutel und betet mit fester Stimme das Bahamuth omnia est. Sie zeichnet auf jede Stirn das heilige Zeichen und kramt eine Handvoll einfacher geweihter Amulette hervor.
"Im Lichtersaal durch die Liebe und Gnade Bahamuths geweiht für diesen Feldzug" erklärt sie um dann ernst auf die Truppe zu blicken: "Achtet auf sie das sind beinahe meine letzten".
Sie legt jedem der Freiwilligen ein Amulett um und besprengt sie Laudate singend nochmals mit Weihwasser.
Sie bittet Bahamuth um Schutz gegen die Kreaturen der Finsternis, gegen Einflüsterung, Fäulnis und Schutz für die Seele. Die Sistra sinkt dann auf die Knie der Morgendämmerung entgegen.
Donata rezitiert die uralten Schutzgebete und fleht für die Toten rings um sie her um Erlösung. Gemeinsam mit der Truppe beten sie nochmals die alten Gebete. Dann erhebt sie sich und besprengt die Leichenhaufen mit Weihwasser, Totengebete sprechend.
Ekelhafter Gestank stemmt sich ihrem Tun entgegen, aber die alte Priesterin segnet Laudate singend die vor dem Tor liegenden Leichenhaufen.

Sie dreht sich zu Korporal Farren um und ihre Stimme klingt fast munter im Morgendunst. "Korporal Farren laßt mich noch einen Segen über die Waffen sprechen"
Donata lächelt den Korporal an: "macht euch keine Sorgen Bahamuth wird mit uns sein." zuversichtlich schaut sie ihm gerade in die Augen.
Sie segnet die Waffen und tritt dann zurück.
In diesem Moment reißt für einen kleinen Augenblick die Morgendämmerung auf und ein Lichtstrahl verweilt für ein paar Sekunden auf Korporal Farrens Truppe.




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.05.07 08:52.
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
02. May 2007 09:30
Nachdem die Sistra mit ihren Gebeten fertig ist beginnt Thorhim sich am Tor zu schaffen zu machen. "Dann geh ich mal vor, und ihr haltet mir den Rückenfrei."
Mit seinem ganzen Gewicht drückt Thorim das Tor auf, um sich anschließend durch den Spalt zu zwängen. Er gibt den anderen ein Handzeichen zu warten und ist dann aus ihrem Blickfeld verschwunden.
Nach wenigen Augenblicken, in denen nur das Geräusch seiner Rüstung zu hören ist kehrt er ans Tor zurück. "Hier ist alles ruhig... Aber bei den Toten weis man nie, bleibt wachsam!"


"Du darfst niemals vergessen: Deine Wahrnehmung bestimmt deine Realität!"
- Meister Yoda

"I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I needed to be."
- Douglas Adams, The Long Dark Tea-Time of the Soul
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
03. May 2007 09:29
Vinzent hat Angst. Der Feldzug nach Kerarwed ist der erste Krieg, den er als Soldat miterlebt. Zuvor bestellte er in Lichtenmeer die Felder seines Vaters. Damals - in einem anderen Leben - träumte er von einem eigenen Hof, von der Kirschblüte in Bährenbach und von Becky und ihren lustigen blonden Locken.
Jetzt träumt Vinzent nur noch von Leichenbergen, aufgerissenen Mündern, denen kein Ton entweicht, und von dem Blut, das jeden Fußbreit Boden tränkt.
Doch diese geschändete Stadt ist das Schlimmste, was er bislang gesehen hat.
"Es muss sein, es muss sein, es muss sein", murmelt er leise zu sich selbt. Der Gegenstand in seiner Hand fühlt sich warm an. Dann gibt er sich einen Ruck und schickt sich an, den anderen durch das Tor in die Stadt zu folgen.
Pinkel
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
03. May 2007 10:13
"Na denn ma rinnn inne gute stube un du kleener beib ma dicht bei mich bei sonst kommse noch abhandn" mit diesen Worten und einem kräftigen Tritt gegen das Tor betritt Pinkel die Stadt. "Mann oh Mann watt issn dat fürn Gestank, dat bleibt alles inne Klamotten häng, dat krisse nie widda raus, allet für de tonne, boar dat gibt aber nen Zuschlach wejen de Klamotten...komm kleener, keene angst hast ja mich un immer schön innen Rücken bleiben, nicht dat ich dich einen verbrate wennse im Wech rumstehn tust."
Mit seinen Stiefeln tippt Pinkel einige der Leichen an und versucht sie herum zu drehen um eventuell Gesichter oder Wappen zu erkennen. "Allet kapott! Wo müssen wa übahaupt hin? Zwerch mach ma langsam die annern komm nich nach." Mit einem wachsamen Auge auf die Stadtmauern und umliegenden Gebäude sucht Pinkel nach einer vermeintlichen Deckung. "Komm kleener las uns am darübber, dat scheint mich ne jute stelle zu sein, wennse dich ma ducken muss", sprachs giing forschen schrittes auf die Kisten und Tonne an jener Hausecke zu, die er als Deckung ausgemacht hatte. Von jener Stelle ahtte er auch einen guten überblick über die freie Fläche nahe dem Stadttor sowie auf die umliegenden Mauern.

avatar Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
03. May 2007 10:40
Thorim und Pinkel verschwinden hinter dem schweren, eisenbeschlagenen Tor der Stadt. Der Rest wartet in bedrücktem Schweigen auf das Signal nachzukommen. Nervöse Anspannung zeigt sich auf allen Gesichtern und die Soldaten lassen misstrauisch ihre Blicke über die Mauern, das Tor und das Schlachtfeld wandern. Hat sich da nicht etwas bewegt? Dort drüben? Die Hand einer Leiche zuckt, scheint zu zittern. Turog hält entsetzt die Luft an. Der Arm des Toten rutscht nach unten und eine fette Ratte zwängt sich ans Licht. Als sie die Lebenden bemerkt, stutzt sie kurz und huscht dann hinter die Reste einer Pavese.


Den Blicken der beiden Kundschafter bietet sich ein schreckliches Bild. Die Häuser der Stadt sind zum größten Teil Ruinen. Einige scheinen schon sehr lange zerfallen zu sein. In den Höfen wuchert kniehohes Unkraut, durch das sich Pfade ziehen. Kletterpflanzen haben die Steine überwuchert. Doch selbst diese Pflanzen sehen krank aus. Ein ungesunder, schleimig wirkender Schimmer liegt auf den Blättern. Die Äste sind verdreht und verkrüppelt wie mehrfach gebrochene, falsch zusammengewachsene Gliedmaßen. Fahles Graugrün, eitriges Gelb, Staubgrau und grünschimmeliges Schwarz sind die Farben, in denen sich die Pflanzen zeigen. Manche Gebäude sind erst vor kurzem zerstört worden - niedergerissen und zerschmettert von Steinen aus trawonischen Katapulten, ausgebrannt. Und überall auf dem Platz beim Tor liegen Tote. Kinder, Frauen, Männer - verschiedene Rassen - Tiere. Manche, als hätten sie vor kurzem noch gelebt, andere vertrocknete Mumien, Skelette. Über allem hängt der süssliche Geruch verbrannten und verwesenden Fleisches. Schwärme von Fliegen summen um die Toten, kriechen über die Körper. Außer diesem Summen ist kein Geräusch zu hören.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.05.07 10:41.
Pinkel
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
04. May 2007 10:39
"Freiwillig, wie konnt ich nur sawat idiotisches machen, monn oh mann hab ich enen anner klatsche", dachte sich Pinkel als er sich gerade hinter die Deckung bewegte, die er als Beobachtungsposten ausgesucht hatte. "Allet inne Wuast", mit diesen Gedanken erhaschte er einen Blick über den Rest der Hausmauer, die sich in seinem Rücken befand. Abbrupp duckte er sich hinter die Mauer, "steht da nu son Kläffer oder wat war das un hatt der sich beweecht?" Vorsichtig schob er sich ein stückchen in die Höhe um einen erneuten Blick auf die Szenerie hinter der Mauer zu werfen. Und tatsächlich, ein scharzer Hund, von Fliegen umschwirrt, stand auf allen vieren hinter Mauer und starrte ihn aus seinem letzten leeren Auge an.
"Ich werd bekloppt, getz kack ich mich wegen son Gerippe schon fast inna Hose", mit einem wuchtigen Schlag seines Morgensterns über die Mauer zertrümmerte er die Reste des dort stehenden Hundes. Eine mächtiger Fliegenschwarm erhob sich kurz vor dem Auftreffen der Waffe, aber nicht alle dieser Plagegeister schafften den rechtzeitigen Absprung. Mit einem knirschen und knacken von Knochen zersprang das Gerippe und verteilte sich in kleinen Stücken auf dem überwucherten Boden. Der Fliegenschwarm hatte sich indes eine neues Opfer ausgesucht: Pinkel! "Haut ab ihr Drecksviecher, ich mach euch alle kapott, ihr Mistkröten". Fluchend und um sich schlagend, nur mit geringem Erfolg, Fliegen vertreibend verliess Pinkel seine Deckung und bewegte sich mit wankenden unkoordinierten Bewegungen, einen Fliegenschwarm in seinem Schlepptau, auf das Stadttor zu. Er hatte genug gesehen und wollte den anderen Berichten, dass sich scheinbar keines der Wesen die die Stadt noch vor kurzem bevölkerten eine Regung zeigte.
avatar Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
04. May 2007 11:07
Draussen vor der Stadt schaut sich Sigwald seine Kameraden an. In seinen Jahren im Waffendienst hat er schon einen Haufen Leute gesehen, aber die Himmelfahrtskommando das als erstes in eine unklare Situation mussten umgab schon immer eine besondere Aura. Zumindest schienen einige der Leute eine grobe Ahnung zu haben. Die kleine Ardenerin beobachtete die rechte Seite der Mauer, der Terwander zupfte ab der Ausrüstung von Turog herum, damit der arme Bub den Haufen etwas bequemer tragen konnte.
Der Korporal und dieser Senkel oder wie er hiess schauten sehr routiniert aus. Auf die konnte man sich verlassen. Die zwei Frauen blicken nach hinten, als würden sie etwas vermissen.
Siggi lud seine Armbrust fertig, und lies seine Augen über den linken Mauerabschnitt schweifen.

Kurz bevor die Mauer in einer halben Meile durch die Krümmeung verschwand, sah man noch die Bresche, an der vor zwei Tagen die Hälfte seiner Kompagnie ihr Leben gelassen hatte. Schwarz verkohlt lag die Rampe aus Steinen da. Die Artillerie aus Jerda hatte nachdem der Vorstoß verloren war, etwa eine Stunde lang Feuerkörbe auf die Rampe und die Bresche geworfen, um den Gegenstoß der Feinde unmöglich zu machen.

Komisch. "Den Gegenstoß der Feinde unmöglich machen". Die eigenen Toten verbrennen. Das wars. Egal ob da noch schwerverletzte drunter lagen. Das war kein Krieg, wie er ihn aus seiner Jugend kannte, als noch rivalisierende Fürsten um die Macht kämpften. Das war auch was ganz andres als der zweite Kerarwed-Krieg. Nein. Das war etwas ganz andres. Man lies immer etwas von seiner Moral auf dem Schlachtfeld. Aber er hatte das komische Gefühl, hier hätte er einen großen Teil seiner Seele gelassen.

"Soggi, reiss Dich zusammen", dachte er bei sich. Jetzt war nicht der Moment für große Gedanken. Die Zeit war in der Taverne oder vor dem Einschlafen. Jetzt galt es aufzupassen und nach Hause zu kommen. Also, den Blick wieder auf die Mauer, ob sich da was bewegt.
Pinkel
Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
04. May 2007 13:53
"Allet ruhich, da drinne. Keen Gerippe macht´n muks, Stinken tut et wie die Pest un allet voller Fliechen. Sowat hab ich noch nich jesehn, kleener ich jlaub dat is nix für dich." Ein trauriger Blick, der nicht gutes ahnen liest streifte die Gruppe derer, die vor dem Tor geblieben waren. Er zog die Priesterin,die Magierin und den Korporal an die Seite. Leise gab er Ihnen einen kurzen Bericht über das Grauen, was hinter dem Tor auf sie warten würde. Seine Stimme schien fest, bei genauem hinhören konnte man aber ein leichtes Beben aus Ihr heraushören.
Mit versteinerte Miene, das Lächeln, welches man noch auf dem Weg zur Stadt um seine Mundwinkel zu sehen glaubte war einem ernsten Ausdruck gewichen.
So, Korporall, ich würd sagen machma ma nen Plan, kennt sich ener inna Stadt aus? Ich hab keene Ahnung."
avatar Re: Kerarwed Stadt - Nach der Belagerung
05. May 2007 01:15
"Ich kenne die Stadt." Elisandra blickt ins Leere. "Vielleicht sollte ich besser sagen: kannte sie. Vor Jahren, als sie noch nicht in die Hand des Feindes gefallen war, war ich hier öfter zu Gast. Der Platz hinter dem Tor ist der Heumarkt. Von hier aus führt die breite Corean-Allee zum Hauptmarkt, wo sich der Palast des Herzogs und alle anderen wichtigen Gebäude der Stadt befinden. Ratshalle, Bahamuth- und Yoltempel, verschiedene Ordenskomtureien, die Kontore der größten Handelshäuser, die Hauptwache und der "Rote Greif" sowie der "Steigbügel". Zumindest war das damals so." Sie zuckt die Schultern. "Wer weiß, was sich seitdem alles geändert hat. Ich nehme nicht an, dass ich viel wiedererkennen werde."
"Gut!" Korporal Farren spricht gerade so laut, dass ihn alle hören können. "Dann werden wir jetzt da reingehen. Sistra Donata, Ihr und Turog haltet Euch weiter hinten. Zoe wird nach vorne kundschaften. Versucht möglichst wenig Lärm zu verursachen und bleibt, wo möglich, in Deckung. Wir werden versuchen zum Hauptmarkt vorzustoßen. Sollte sich herausstellen, dass die Stadt tatsächlich vom Feind aufgegeben wurde, werden wir vom Turm der Herzogsressidenz ein Signal an unser Lager geben. Sollten sich doch noch Dunkle in der Stadt befinden und wir aus irgendeinem Grund getrennt werden, versucht jeder sich hierher zurück durchzuschlagen und sich vor der Stadt in Sicherheit zu bringen." Er wendet sich dem Tor zu. "Dann gehen wir. Bahamuth befohlen." Er duckt sich und quetscht sich durch den schmalen Spalt auf die andere Seite des Tores. Elisandra fasst ihren Stab fester und folgt ihm. "Möge Bahamuth unsere Schritte lenken."



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.05.07 11:57.
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